Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)

Anti-Aggressivitäts-Training (AAT)

Das Anti-Aggressivitäts-Training (AAT) wurde erstmals in der Jugendanstalt Hameln entwickelt. Dort hatte sich „im Herbst 1986“ eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe unter Beteiligung von gewaltaffinen Insassen gebildet, die die „Gewalttätigkeit im Jugendvollzug“ thematisieren und daraus praktische Konsequenzen für den Strafvollzug erarbeiten sollten.

Beim AAT handelt es sich um eine Spezialisierung des sozialen Trainings. Es orientiert sich unmittelbar am lebens- und alltagspraktischen Üben und kann als sozialpädagogische „Breitbandbehandlungsmaßnahme“ bezeichnet werden.(Weidner 1995;135f) Ihr liegen lerntheoretische Annahmen zugrunde, und sie erhebt nicht den Anspruch einer Therapie. Das soziale Training ist durchaus auch für die Zielgruppe des AAT geeignet, muss allerdings spezifiziert werden und sollte dann durch „Spezielles Soziale Training“ (Otto zitiert bei Weidner 1995;136) gekennzeichnet sein.

Das AAT ist delikt- und defizitspezifisch, was bedeutet, dass dabei das Delikt des Teilnehmers im Vordergrund steht. So suchen Gewalttäter beispielsweise Konfliktlösungsstrategien und „Anleitung für den Umgang mit Provokationen“, die im sozialen Training thematisiert und geübt werden können.

Zum anderen orientiert sich das AAT am Begriff „antagonistisch“, der sich auf das „Selbstverständnis“ der Trainer bezieht. Diese verstehen sich als Widersacher (=Antagonisten), als friedfertige Gegenspieler zu den gewalttätigen Teilnehmern.“ Außerdem unterstützen Nicht-Professionelle die professionellen Trainer/innen. Dies können Personen sein, die auf anderer Ebene mit dem Thema Gewalt arbeiten (z.B. Kampfsportler).

Qualitätsanforderungen für das Anti-Aggressivitäts-Training

Das AAT ist im Bereich der tertiären Prävention, bei der Bewährungs- und Jugendgerichtshilfe, beim §10 JGG und in den unterschiedlichen Formen des Strafvollzugs anzusiedeln.

Anti-Aggressivitäts-Trainings

Konfrontative Therapie:

Den Widerstand des Klienten überwinden (Corsini)

Provokative Therapie:

Lachen ist die beste Medizin (Farelly)

Gestalttherapie:

Fokosieren der Gedanken auf dem „Heißen Stuhl“ (Perls)

Trainingseinheiten:

Erlebnispädagogik

Kampfsport

Usw.

Spezielles Soziales Training:

Delikt- und defizitorientiert, antagonistisch

Glen Mills School:

Integration von prosozialer Klientel und Belohnungssystem

Rational- Emotions Therapie (RET):

Fehlerwahrnehmungen & dysfuntionale Verhaltensmuster

Kellys Kognitive Psychologie

Aggressive als Wissenschaftler mit falschen Hypothesen

Zielgruppe

Sind jugendliche und heranwachsende Mehrfachgewalttäter wie Skinheads, Hooligans oder solche Täter, die sich auf der Straße als Schläger einen Namen gemacht haben. Kennzeichnend für die Klienten ist, dass sie Spass an Gewalt haben und es genießen, anderen Menschen Angst einzuflößen, um sich so ein Machtgefühl zu verschaffen. Außerdem verfügen sie über keinerlei Unrechtsempfinden bezüglich ihrer Taten. Sie rechtfertigen ihre Taten mit tatsächlichen oder vermeintlichem Verhalten ihrer Opfer: „Er hat mich blöd angeschaut“, „dumm angemacht“ oder „Hurensohn“ gesagt.

Teilnahmebedingungen am AAT

Die Teilnehmer müssen Interesse für eine Veränderung aufbringen.

Die Teilnehmer dürfen keine ausgeprägte Suchtproblematik haben.

Die Teilnehmer müssen versprechen in Zukunft auf jede Art der Gewalt verzichten.

Die Teilnehmer müssen in der Lage sein dem Training sprachlich und kognitiv zu folgen.

Die Teilnehmer müssen mindestens 14 Jahre alt sein.

Ziele des AAT

Betroffenheit bezüglich ihrer Gewalttaten herzustellen und somit Abbau der Gewaltbereitschaft und Aufbau von Opferempathie.

Persönliche Reflexionsfähigkeit verbessern.

Neue Konfliktlösungsstrategien entwickeln.

Übernahme der Verantwortung für die eigenen Taten.

Rahmenbedingungen des AAT

(Orientiert an den Standards des ISS Frankfurts)

Das Training wird durch zwei professionell ausgebildeten Pädagog/innen, von denen eine/r eine AAT/CT – Zusatzausbildung absolviert haben muss geleitet.

Zusätzlich ist ein Co-Trainer (Ex-Gewalttäter) erforderlich.

Das Training ist für bis zu sechs Teilnehmer ausgelegt.

Das Training erstreckt sich über mindestens 16 Trainingseinheiten zu je ca. 3 Stunden.

Vor dem Training dürfen keine Drogen und kein Alkohol konsumiert werden.

Zu Beginn wird ein Vertrag zwischen Teilnehmern und Trainern geschlossen.

Jeder Teilnehmer muss mindestens zwei Heiße Stühle erfolgreich, d.h. ohne Abbruch, absolvieren.

AAT Verlaufsplan (exemplarisch)

1. Treffen

Vorstellung / Erwartungen / Regeln

Vertrag (Anlage)

Hausaufgabe / Fragebogen Gewalt / Was bedeutet der Satz „Verhalten beginnt im Kopf?“

2. Treffen

Wochenreflexion

Hausaufgaben / Kontrolle

Die A-B-C – Formel

Erste Biografie

Hausaufgabe Ziele benennen / Tatbeschreibung

3. bis 5. Treffen

Wochenreflexion / Besprechung der Hausaufgabe

Biografie

Hausaufgaben zum Beispiel mein Persönlichkeitsprofil

6. bis 12. Treffen

Wochenreflexion / Besprechung der Hausaufgabe

Heiße Stühle

Meditation

13. Treffen

Wochenreflexion

Film: „Killerboots“ mit anschließender Diskussion

Meditation

14. Treffen

Wochenreflexion

Film: „Es geschah in 11 Sekunden“

15. Treffen

Wochenreflexion

Besuch beim Notarzt oder in der Gerichtsmedizin bzw. Erlebnispädagogische Maßnahme

16. Treffen

Wochenreflexion

Auswertung

Aushändigung der Zertifikate