Keep Cool Training Teil 2

Ein Vorurteil kommt selten allein

Vorurteile kommen selten allein

Seminar zum Thema Vorurteile

Die Funktion von Vorurteilen

„Zur Orientierung in unserer Umwelt müssen wir Kategorien bilden, um eintreffende Informationen zu ordnen, indem wir eine Person z.B. nach ihrem Geschlecht, ihrem Alter, ihrer Hautfarbe kategorisieren“.(Bergmann 2001,5) Würden wir diese Kategorien nicht bilden, dann würde die Unsicherheit unseres Handelns automatisch ansteigen. „Diese im Laufe der Erziehung gelernten Kategorien sind jedoch überwiegend nicht neutral, sondern schließen Wertungen mit ein, die sich entsprechend auf die Kategorisierung übertragen“ (ebd.).

Die Entstehungen von Wertungen

Im Alltag entstehen diese Wertungen jedoch meist gar nicht durch persönliche Erfahrungen oder Konflikte mit Personen anderer Gruppen, sondern sie werden übernommen. In jeder Kultur besteht ein reichhaltiger Vorrat an unreflektierten Einstellungen, Normen und Wissen, zu dem auch Vorurteile gehören, die einfach von den einzelnen Mitgliedern dieser Kultur übernommen werden.

Begriffsbestimmung

„Vorurteile sind negative oder ablehnende Einstellungen einem Menschen oder einer Menschengruppe gegenüber, wobei dieser Gruppe infolge stereotyper Vorstellungen bestimmte Eigenschaften von vornherein zugeschrieben werden, die sich aufgrund von Starrheit und gefühlsmäßiger Ladung, selbst bei widersprechender Erfahrung, schwer korrigieren lassen“ (Davis 1998,47).

Gegenmaßnahmen

Gegen Vorurteile anzuarbeiten ist nicht leicht, da besonders jene Informationen zur Kenntnis genommen werden, die das Vorurteil bestätigen. Das Erkennen von Vorurteilen hängt folglich von der Fähigkeit und der Bereitschaft ab, die eigenen Urteile und Bewertungen kritisch auf ihre Rationalität, ihre Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit zu prüfen und die möglicherweise abweichenden Perspektiven anderer in dieser Überprüfung mit einzubeziehen.

Ziele

Die Jugendlichen sollen dazu befähigt werden, (eigene) Vorurteile zu erkennen und ihre Wirkung zu reflektieren.

Die Jugendlichen sollen in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit sensibilisiert werden.

Die Jugendlichen sollen lernen, sich nicht mehr auf die Orientierung anhand von Vorurteilen zu verlassen, sondern souverän Vorurteile zu hinterfragen und für neue Erfahrungen offen zu sein.

Inhaltlicher Ablauf

Um in das Thema einzusteigen, werden zu Beginn verbreitete Vorurteile gegenüber bestimmten Personen bzw. Personengruppen gemeinsam zusammengetragen und notiert. Diese Sammlung dient im weiteren Verlauf des Seminars als Arbeitsgrundlage. Da wir alle Wahrnehmungsmechanismen besitzen, die eine gewisse Tendenz zur Vorurteilsbildung aufweisen, werden innerhalb des Seminars Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung durchgeführt. Zu Beginn reflektieren die Jugendlichen auf der Grundlage einer Persönlichkeitsbeschreibung eigene Ausgrenzungserfahrungen aufgrund von Vorurteilen. In der zweiten Seminareinheit werden Kennzeichen von Vorurteilen bearbeitet. Darauf aufbauend werden Hintergründe bezüglich der Funktion und der Wirkung von Vorurteilen mit den Jugendlichen besprochen. Abschließend geht es darum, Strategien gegen diskriminierendes Verhalten praktisch zu erproben, ihr Potential zu reflektieren und Lösungsmöglichkeiten auf alltägliche Situationen der Jugendlichen zu transferieren.

Zeit

8 Stunden